Auszug aus Festschrift 1956

Vereinschronik 1956
zum 75 jährigen Vereinsjubiläum der „Sängervereinigung" Hausen

Die „Sängervereinigung" Hausen entstand durch die Verschmelzung der beiden Gesangvereine „Liederkranz" und „Germania". Über die Geschichte beider Vereine ist folgendes überliefert:
Der Gesang wurde in unserer Gemeinde schon früh gepflegt. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bestand bereits ein Gesangverein Namens „Lassalle", der jedoch dem Sozialistengesetz von 1878, zum Opfer fiel und verboten wurde.
Aus der Geschichte des „Liederkranz"
Drei Jahre nach dem Verbot, gründeten 1881 einige sangesfreudige Männer den Gesangverein „Liederkranz" im Gasthaus „Zur Sonne" bei Herrn Josef Malsy. Im Jahre 1895 feierte der „Liederkranz" sein erstes größeres Fest, welches mit einer Bannweihe verbunden war. Die Stabführung hatte in den ersten Jahren Herr Ferdinand Pappert aus Hausen, dem später Herr Musiklehrer Jakob Jäck aus Offenbach folgte. Unter ihm war die gesangliche Leistung des Chors schon ganz beachtlich. Einige Jahre später übernahm Herr Adam Pappert aus Hausen die musikalische Leitung des Vereins.
In Folge schwerer Krankheit musste er jedoch sein Amt bald niederlegen. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Johann Koser aus Obertshausen bestimmt. Unter seiner Leitung wuchsen die Sängerzahl des Chors und damit auch die gesangliche Leistung.
Hierdurch ermutigt entschloss man sich im Jahre 1910 den Gesangwettstreit in Schwanheim zu besuchen. Bei starker Konkurrenz die dem Chor gegenüberstand, reichte es unter sechs beteiligten Chören nur zum 5. Platz in der 1. Landesklasse. Der Verein ließ jedoch den Mut nicht sinken und beteiligte sich bereits im nächsten Jahr am Gesangswettstreit des „Männerchores" Heusenstamm. Hier waren der zweite Klassenpreis in der 1. Landesklasse, sowie der Ehrenpreis und der höchste Ehrenpreis in der dritten Landklasse das Ergebnis.
Nachdem dann im Jahre 1913 Herr Dirigent Willi Jost aus Frankfurt die Leitung des Chores übernahm, konnte die gesangliche Tätigkeit nur noch kurze Zeit ausgeübt werden, da der Ausbruch des ersten Weltkrieges die Fortführung des Vereinsbetriebes unmöglich machte.
Von der „Germania" ist überliefert:
Als dritter Gesangverein in Hausen  wurde im Jahre 1884 die „Germania" gegründet, nachdem bereits vorher die Sängerlust ins Leben gerufen wurde. Eine Sängerriege des „Turnvereins von 1873" war der Grundstock zur Neugründung der „Germania". Das erste Lokal war bei Herrn Adam Döbert in der Herrnstraße. Infolge Platzmangels siedelte man später in das Gasthaus „ Zum goldenen Engel" über, dessen Besitzer Herr N. Picard war. Dieses Lokal ist bis heute das Vereinslokal der „ Sängervereinigung" geblieben.
Als erster Dirigent der „Germania" amtierte Herr Lehrer Simrock aus Hausen. Ende der achtziger Jahre trat der junge Verein dem „Germania-Bund" bei, der damals im Kreis Offenbach bestand. Der Bestand dieses Bundes war jedoch nicht von langer Dauer.
Die Bannerweihe im Jahre 1893 war Anlass zu einem größeren Fest. Die gesangliche Leistung des Chores war in diesen Jahren unter der Leitung des Herrn Lehrer Baier aus Bieber sehr beachtlich.
Ein Prüfstein sollte die Teilnahme an einem Gesangwettstreit in Mühlheim/Main sein, bei dem der dritte Klassenpreis errungen wurde.
Herr Lehrer Baier wurde jedoch bald von Bieber versetzt, und musste Infolge dessen die Leitung des Vereins abgeben. An seiner Stelle trat Herr Musikdirektor Heil aus Offenbach, dem Herr Peter Wilz aus Niederroden folgte.
Unter dessen Leitung beteiligte sich der Chor im Jahre 1910 an einem Gesangswettstreit in Darmstadt und konnte den ersten Klassenpreis in der 1. Stadtklasse erringen.
1912 beteiligte sich der Chor an einem Preissingen in Groß-Auheim, bei dem erneut der erste Preis in der 1. Stadtklasse gewonnen wurde. Dagegen reichte es beim Wettstreit in Seligenstadt, der 1914 folgte, nur zum vierten Klassenpreis in der 1. Stadtklasse.
Wie beim „Liederkranz" so war auch bei der „Germania" während des ersten Weltkrieges jeder Vereinsbetrieb eingestellt.
Der Weltkrieg hatte in die Sängerreihen der beiden Vereine große Lücken hinterlassen, was sich zwangsläufig auf die gesangliche Leistung auswirkte. Unter der Devise, durch vereinte Kräfte etwas Großes in gesanglicher Hinsicht zu leisten, verschmolzen sich „Germania" und „Liederkranz" 1919 zur „Sängervereinigung" Hausen. Am 4.April 1919 fand die erste Gesangstunde des neuen Vereins unter der Leitung des Herrn Peter Wilz mit 101 Sängern statt.
Schon nach kurzer Zeit trat ein Wechsel in der musikalischen Leitung ein. Herr Musikdirektor A. Schucht aus Frankfurt a. M., übernahm Ende 1919 die Leitung der „Sängervereinigung". Unter seiner vortrefflichen Stabführung wuchs der Verein auf eine beachtliche Höhe.
Glanzpunkte waren die Abhaltung von Chorkonzerten, Besuch von auswärtigen Vereinen, und besonders die Teilnahme am Gesangswettstreit 1925 in Obertshausen. Hier gelang es der „Sängervereinigung" mit 135 Sängern unter fünf beteiligten Chören, in der 1. Stadtklasse den ersten Klassenpreis, den höchsten Ehrenpreis und den Dirigentenpreis zu erringen.
Im Jahre 1928 wagte man sich zu einer sehr schweren Konkurrenz auf  einen Wettstreit in Heidesheim am Rhein. Mit 145 Sängern errang man dort den fünften Klassenpreis. Ende 1932 trat ein Dirigentenwechsel ein. Es wurde Chormeister Görly Beckedorff zum musikalischen Leiter des Vereins gewählt.
Nach dem Beitritt zum „Allgemeinen Deutschen Sängerbund" führten die Beteiligungen an verschiedenen Wertungssingen und sonstigen Veranstaltungen unter seiner Leitung immer zu beachtlichen Erfolgen.
Besonders zu erwähnen ist der im Jahre 1938 unternommene Vereinsausflug zum dortigen Bruderverein „Bergischer Männergesangverein" Diese Tage im Juni, an denen auch die Städte Wuppertal, Düsseldorf und Köln besucht wurden, werden allen beteiligten Sängern in unvergesslicher Erinnerung sein. Noch im gleichen Jahre machten die Sänger aus Solingen ihren Gegenbesuch in Hausen, der in wunderbarer harmonische Weise verlief.
Leider wurde auch diese Zeit, die von einer steten Aufwärtsentwicklung des Vereins zeugte, durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges unterbrochen. Der Gesangbetrieb wurde bis im Jahre 1941 aufrechterhalten, und erst der Wegzug des Dirigenten Herr Beckedorff brachte die Gesangstunden zum Erliegen.
Wieder musste eine große Anzahl Mitglieder den grauen Rock anziehen, und gar mancher begeisterter Sänger kehrte nicht mehr in unsere Reihen zurück. Ihre Namen sind an anderer Stelle dieses Heftes festgehalten.
Unter ihnen auch der damalige 1. Vorsitzende, Herr Georg Doll-ll, der in der Vereinsgeschichte der „Sängervereinigung" immerfort einen Ehrenplatz einnehmen wird.
Nach dem Zusammenbruch im Jahre 1946 unternahmen einige Idealisten des Vereins Schritte, um die Wiederzulassung der „Sängervereinigung" bei der Militärregierung zu erreichen. Alle Schwierigkeiten zum Trotz ist ihnen dies gelungen. Hier sind ganz besonders die folgenden Herren zu erwähnen: Richard Beck, Kaspar Keller, Heinrich Röll, und Jakob Krickser.
Der Gesangstundenbetrieb wurde wieder aufgenommen und als Leiter Herr Chormeister Christian Siegler aus Niederroden verpflichtet. Der Chor beteiligte sich an Wertungssingen des Sängerbundes in Obertshausen und Jügesheim, sowie an vielen Veranstaltungen befreundeter Vereine. Ferner wurden von den Laienspielern des Vereins Operetten und Singspiele aufgeführt, die stets ein voller Erfolg für Verein und Gäste waren.
An Pfingsten 1950 beteiligte sich der Verein mit 90 Sängern an dem Gesangwettstreit in Büdingen. Hier wurden in der 1. Stadtklasse der zweite Klassenpreis sowie der höchste Ehrenpreis aller Klassen errungen. Im November-Dezember des gleichen Jahres veranstaltete die „Sängervereinigung" zusammen mit den Nachbarvereinen „Volkschor Germania Obertshausen" und „Sängervereinigung Weiskirchen" an allen drei Orten ein großes Chorkonzert, das für alle beteiligten Vereine ein voller Erfolg war.
Als Höhepunkt der Nachkriegsgeschichte der Sängervereinigung folgte im Jahre 1951 das 70jährige Jubiläum, das im Rahmen eines dreitägigen Festes vom 23. bis 25 Juni 1951 begangen wurde. Im Mittelpunkt stand ein nationaler Gesangswettstreit, an dem elf Vereine teilnahmen und der durch die einwandfreie Durchführung von allen unangenehmen Begleiterscheinungen verschont blieb und so zu eine einer echten Werbung  für den Chorgesang wurde. Rund 300 Besucher füllten zum Wettstreit das große Festzelt und konnten sich von der Leistungshöhe der beteiligten Chöre überzeugen.
Neben diesen Vereinen bewiesen eine große Anzahl befreundeter Chöre ihre Verbundenheit mit der „Sängervereinigung" durch ihre Teilnahme am Freundschaftssingen. Erfreulich war aber auch für uns alle die Tatsache, das die gesamte Einwohnerschaft an diesem Fest lebhaften Anteil nahm, und
für unsere beiden Gastvereine die „Chorgemeinschaft Rheinsage Solingen-Ohligs" und den „Männerchor Beethoven Wuppertal-Elberfeld" rund 200 Freiquartiere zur Verfügung stellte.
Gerade mit der Chorgemeinschaft „Rheinsage" hat sich eine überaus herzliche Freundschaft entwickelt, die auch heute noch besteht. und eine Bereits im Oktober 1951 weilte unser Quartett in Ohligs und an Pfingsten 1953 folgte ein dreitägiger Vereinsausflug nach Solingen, der für alle Teilnehmer eine bleibendes Erinnerung sein dürfte. Noch im gleichen Jahr führte der Kinderchor der „Rheinsage" ein Konzert in Hausen durch und hatte damit einen großen Erfolg zu verzeichnen.
Für die „Sängervereinigung" brachte das Jubiläumsfest insoweit einen Aufschwung im Chor, da zahlreiche junge Männer den Weg zu uns fanden. Diese erfreuliche Entwicklung hat auch in den folgenden Jahren angehalten, so dass wir heute über einen Stamm junger Sänger verfügen, die der Stolz des Vereins sind.
Ach in den Jahren nach dem Jubiläumsfest blieb der Verein in seiner gesanglichen Tätigkeit überaus aktiv. Unsere gut verlaufenen Chorkonzerte zeugten von einer Leistungshöhe, die nicht zuletzt der intensiven Schulung durch unseren bewährten Chormeister Christian Siegler zu verdanken ist. Darüber hinaus wurden zahlreiche Veranstaltungen befreundeter Vereine besucht und stets eine sehr gute Visitenkarte abgegeben. Hier sei vor allen das Wertungs-singen in Weiskirchen erwähnt, bei dem das Prädikat „ Ausgezeichnet" ersungen wurde.
Sehr schöne Erfolge hatte auch das Vereinsquartett zu verzeichnen. Neben einer großen Anzahl eigener Veranstaltungen stand die Teilnahme an Quartett-Liedertagen usw. im Vordergrund.
Trotz dieser erfreulichen Entwicklung und der sehr schönen Erfolge darf aber nicht übersehen werden, das in den letzten Jahren der Gesangstundenbesuch nicht immer nach dem Wunsch des Vorstandes und vor allen des Dirigenten ausfiel.
Der Hauptgrund ist hierfür in der Tatsache zu suchen, dass die Lederwarenindustrie in Zeiten der Hochkonjunktur alle Kräfte beansprucht, und nur so wenig Freizeit übrig lässt. Aber auch da kann Abhilfe geschaffen werden, jedoch nur durch unsere Sänger selbst, denen man den Idealismus und Vereinsgeist der Gründer wünschen muss.
Zieht man nun heute, nach 75jährigem Vereinsleben kritische Bilanz, so darf doch voller Stolz festgestellt werden: die „Sängervereinigung" hat ihre Aufgabe, Kulturträger und Mittler zugleich zu sein, mehr als erfüllt. Nie stand sie abseits der Bevölkerung unserer Gemeinde und ist heute Stärker denn je in ihr begründet.
Es bleibt uns nur noch der Dank an alle Lebende und Tote, die dieses schöne Werk geschaffen und gefördert haben, und die nicht zu enttäuschen auch weiterhin unsere Aufgabe sein muss.
Auch in schlechten Tagen sollte man nicht vergessen, zu welchen Leistungen eine Gemeinschaft fähig ist, wenn sie zusammen steht und sich gegenseitig achtet.

Nun lasset uns unser Jubelfest beginnen. Möge das 75jährige Jubiläum für alle unsere Gäste, Mitglieder und die Gemeinde Hausen ein Fest der Freude und des Frohsinns werden. Gleichzeitig aber auch eine nicht zu übersehende Werbung für den Chorgesang sein, der mithelfen will, die Völker zu vereinigen und Frieden und Freiheit zu erhalten.

Chorproben

  • Männerchor

    Die Chorproben des Männerchores finden jeden Dienstag von 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr im Kleinkunstsaal des Bürgerhauses Hausen statt.
  • Frauenchor "Canto felice"

    Die Chorproben des Frauenchores "Canto felice" finden jeden Mittwoch von 19.30 Uhr bis 21:00 Uhr im Kleinkunstsaal des Bürgerhauses Hausen statt.
  • Jazz-, Rock- & Pop-Chor "Blue Notes"

    Die Chorproben der "Blue Notes" finden jeden Mittwoch von 20:00 Uhr bis 21:30 Uhr in den Gruppenräumen des Bürgerhauses Hausen statt.

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Männerchor

Die Chorproben des Männerchores finden jeden Dienstag von 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr im Kleinkunstsaal des Bürgerhauses Hausen statt.

Frauenchor "Canto felice"

Die Chorproben des Frauenchores "Canto felice" finden jeden Mittwoch von 19.30 Uhr bis 21:00 Uhr im Kleinkunstsaal des Bürgerhauses Hausen statt.

Jazz-, Rock- & Pop Chores "Blue Notes"

Die Chorproben der "Blue Notes" finden jeden Mittwoch von 20:00 Uhr bis 21:30 Uhr in den Gruppenräumen des Bürgerhauses Hausen statt.