Wiesbadener Kurier

 

Ein wahrer Ohrenschmaus

02.06.2009 - KLOPPENHEIM

 

Von Richard Hörnicke

JUBILÄUM Konzert zum 150-jährigen Bestehen des MGV Kloppenheim

Ein ganz besonderes Jubiläum wurde am Samstag im Kurhaus gefeiert. Die Keimzelle des Männergesangvereins Wiesbaden-Kloppenheim wurde nämlich vor 150 Jahren, 1859 mit der Gründung des Männer-Gesang-Vereins Eintracht gelegt, dem die Neugründungen der Gesangvereine Concordia und Germania folgten.

Nach dem gemeinsamen Auftreten der Chöre im Jahr 1927 anlässlich eines Konzerts zur 1000-Jahrfeier Kloppenheims stellten sich die drei Chöre unter dem Namen Männergesangverein 1859 Wiesbaden-Kloppenheim unter ein gemeinsames Dach und begannen nach der kriegsbedingten Unterbrechung in der Folgezeit eine erfolgreiche Sängertätigkeit, die mit vielen bedeutenden Auszeichnungen bedacht wurde.

150 Jahre im Dienste der Sangeskunst - ein solches Ereignis muss gebührend gefeiert werden! So konnten sich die Zuhörer in dem überfüllten Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses nicht nur an den respektablen Sangesbeiträgen erfreuen. Aus Wien war die k.u.k. Wiener Regimentskapelle IR 4 unter Leitung Friedrich Lentners angereist und bot mit den schmucken Uniformen einen reizvollen Kontrast zu den in festlichem Schwarz gewandeten Choristen.

Sie brachten nicht nur den voluminös auftrumpfenden Gardeton mit, verliehen dem abwechslungsreichen Programm im Verein mit dem launig kommentierenden Elmar Gunsch zusätzlich oft einen echt "weanerischen" Touch. So mit Walzer- und Operettenklängen von Johann Strauß, obwohl die Begleitung von Arien und Duetten aus Opern und Operetten durch ein Blasorchester doch etwas gewöhnungsbedürftig ist und man bei der Ouvertüre zur Strauß´schen "Fledermaus" den weichen und federnden Streicherklang vermisste.

Die Kloppenheimer Sänger wurden von Chören aus Bleidenstadt-Watzhahn, Hausen, Leihgestern und Frankfurt-Sindlingen unterstützt, die sich alle glücklich schätzen dürfen, in Hans Schlaud einen versierten, mit Passion dirigierenden Chorleiter zu besitzen, der es versteht, jeder Phrase nuanciert nachzuspüren und seine Sänger zu sensibel ausbalanciertem Gesang anzuleiten, dem das majestätische Forte wie ein fein verschwebendes Piano gleichermaßen beachtlich zur Verfügung steht.

Unter dem anfeuernden Dirigat von Hans Schlaud wurden die Gefilde des Volkstümlichen, Lyrischen und Besinnlichen wendig und ausdrucksstark durchschritten. Dem festlichen Anlass entsprechend sangen die zahlreichen Choristen einleitend "Schäfers Sonntagslied" von Conradin Kreutzer, das mit der Feststellung "Das ist der Tag des Herrn" begann.

Wer wollte dem angesichts der festfroh gestimmten Zuhörerschar widersprechen, die die Wiener Gäste und Sänger mit begeistertem Beifall bedachten.

Letztere zeigten sich in zwei Beiträgen auch als exzellente Gospelinterpreten und stellten in zwei heiteren Kompositionen, so besonders mit Willi von Möllendorfs "Das Huhn und der Karpfen" ihre Wendigkeit im Erfassen wechselnder Stimmungen recht kapriziös unter Beweis. Zusammen mit dem Wiener Orchester gestalteten die Chöre unter der Leitung Hans Schlauds den populären Gefangenenchor aus Giuseppe Verdis "Nabucco" und den Jägerchor aus Carl Maria von Webers "Freischütz" staatsoperngerecht.

Und wenn man schon Musiker aus der österreichischen Metropole zu Gast hat, darf zum Abschluss der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater, begleitet vom rhythmischen Klatschen des animierten Publikums, natürlich nicht fehlen.